und wieder kommt eine geballte Ladung guter Musik auf Euch zu. Jede Wette, die sechs Neuvorschläge haben es in sich: zwei Rock-Titel in englischer Sprache, ein Chanson aus Italien, zwei etwas ausgefallene Lieder aus deutschen Landen und ein Instrumental einer bekannten Topgruppe mit Musik aus Lateinamerika stehen bereit. Neugierig? Na hoffentlich! Unser heutiges Fazit: Drei Titel der letzten Runde kamen musikalisch unter die Räder: Cat Stevens - "Peace Train", Bryan Ferry - "Smoke gets in your Eyes" und dito Kate Bush - "The Man with the Child in his Eyes". Dafür heißen wir drei neue Beiträge bei uns willkommen und damit folgende Interpreten: Édith Piaf, Bonnie Tyler und die Spider Murphy Gang. Auf den Rängen 11 und 12 sieht es wie folgt aus, wobei Rang 11 mal wieder zweifach erscheint: Cat Stevens - "Peace Train" und ebenso Slade - "Coz I luv you"
Unser aktuelles Musik-Spektakel führt mit der Laufenden Nummer 11 der britische Rocksänger Billy Idol an, welcher für uns seinen Pop-Punk-Song "Dancing with myself" von 1983 performt. Zwar brachte Billy das Lied schon paar Jahre vorher mit seiner damaligen Gruppe "Generation X" heraus, jedoch erreichte das Werk erst in der Solo-Version seinen Kultstatus. Allerdings sollte der wirkliche Erfolg für den englischen Musiker Billy erst noch kommen: Hierzulande schafften seine Kurzrillen "Eyes without a Face", "Flesh for Fantasy" und "Catch my Fall" (alle 1984) knapp die Top Ten. Zwei Jahre später wiederholten seine Singles "To be a Lover", "Don't need a Gun" sowie "Sweet Sixteen" diesen Hype, wobei "Sweet Sixteen" dem Engländer gar eine Nummer Zwei bescherte. Für einen Künstler aus Europa nicht selbstverständlich knackte Idol die harten Billboard-Charts der USA und platzierte sich meist in guten Positionen. Und seine Titel "Cradle of Love" (1990) und die Live-Fassung von "Mony Mony" (1987) landeten dort auf der Pole Position beziehungsweise auf dem zweiten Rang. Wer seinen Blick auf die Langrillen des Sängers lenkt, erkennt, wie wichtig das Album "Rebel Yell" für Billy Idol war: Dieses Opus ebnete ihm auf beiden Seiten des Großen Teiches den Weg an die Spitze. Doch das Leben des britischen Stars glich einer Buckelpiste; auf ein Hoch folgte zielsicher ein Tief: so hing Billy Idol seit 1986 an der Heroin-Spritze, und erlitt im Jahr 1990 einen kapitalen Motorrad-Unfall. Die Folge: sein Bein brach mehrfach; nach einer siebenstündigen Operation, so heißt es, gelang es den Ärzten, eine Amputation zu verhindern. Doch Billy Idol's Karriere schien besonders nach der Langrille "Charmed Life" (1990) der Vergangenheit anzugehören. Der Musiker brauchte Jahre, um ein Comeback erleben zu dürfen: Im Jahr 2001 verkaufte sich sein Sampler "Greatest Hits" hervorragend, dann brachte er 2005 nach einem Rechtsstreit mit seinem früheren Label eine neue Single heraus und schließlich folgten erneut große Welttourneen. Viel Erfolg, Billy!
Von der britischen Insel geht unsere Reise heute nach Italien, wo wir mit der nächsten Neuvorstellung an den Cantautoren - das italienische Wort für "Liedermacher" - Fabrizio De André erinnern wollen, der sein Land mit seinen lyrisch anspruchsvollen und engagierten Chansons für Jahrzehnte prägte. Aber leider verließ uns dieser große Künstler bereits im Jahr 1999. Der Mann aus Genua, Spross einer intellektuellen Unternehmerfamilie und von seinen Freunden oft "Faber" genannt, sang von Entrechteten, Ausgegrenzten und individuellen Einzelgängern, mit Mut, gegen den Strom zu schwimmen. Sein Liedgut gilt bis heute als Unterrichtstoff in den Schulen. Anders als sein Kollege Adriano Celentano galt Fabrizio De André eher als leiser und scheuer Musiker, der um seine Persönlichkeit wenig Aufhebens machte. Und obwohl bereits seit 1958 im Musikgeschäft, wagte er erst im Jahr 1975 den Weg auf die große Bühne. Doch im Gegensatz dazu traute er sich mit seinen Liedern inhaltlich eine ganze Menge: So schrieb der bekennende Anarchist und Pazifist das Antikriegslied "La Guerra di Petro", welches bis heute in den Straßen italienischer Städte zu hören ist. Krieg sei ihm zuwider, so der Liedermacher, da dieser die schöpferische Kraft des Menschen sozusagen in Schutt und Asche lege. Daraus schloss der italienische Künstler, es gäbe nichts Positives am Krieg. Schließlich herrschten Tod und Verzweiflung auf den Straßen unserer Welt, damit, so der Autor weiter, bedeute dies das Ende jeglicher Freiheit, welche ihm als Mensch und Musiker so wichtig war. Aus diesem Grunde verweigerte er als Linker auch den Kommunisten die Gefolgschaft. Denn als "individueller Anarchist" scheute er das "totalitäre Element" solcher Kreise und verwies auf den Freiheitsgedanken, welcher niemals aufgegeben und geopfert werden dürfe. Musikalisch gesehen wandelte De André gern auf den Spuren amerikanischer Liedermacher und arbeitete von Zeit zu Zeit auch Einflüsse von Folk- und Country-Musik in seine Werke ein. Dafür steht das Chanson "Andrea" aus dem Jahr 1978. Während die Plattenbosse seiner Heimat auf eine publizierte Kurzrille dieser schönen Ballade verzichteten, stieg die Single-Platte in Österreich und der Schweiz je auf einen aussichtsreichen Top-Ten-Platz. Ebenso legten deutsche Radioleute diese Platte hin und wieder auf. Als Grund für diesen Erfolg im Alpenraum vermutet der Musiker Mauro Pagani, das Publikum im deutschen Sprachraum sah den Titel als eine romantische Liebesbeziehung zwischen einer Frau und einem Mann. Doch weit gefehlt: Denn der Name "Andrea" steht im Land, wo laut Goethe die Zitronen blühen, eben für einen Herrn, nicht für eine Dame. Eigentlich geht es laut De André um eine tragische homosexuelle Liebesgeschichte zu Zeiten des Ersten Weltkrieges.
Nun zu unseren zwei etwas schrägen deutschen Beiträgen für heute. Mit der Nummer 13 kommen wir zu einer Platte aus der in der Mitte der Siebziger vielbeschworenen "Hamburger Szene". Laut Internet meint man damit "eine Musikbewegung der 1970er-Jahre rund um die Kneipe Onkel Pö", die vom Stil her den Dixieland-Jazz mit Elementen des Rock und Pop vereinte. Als typische Vertreter galten damals: Udo Lindenberg, Otto Waalkes, Hans Scheibner, Peter Petrel, Willem, die Rentnerband, Gottfried Böttger, Lonzo, Werner Böhm, Leinemann, Inga Rumpf, Meyer's Dampfkapelle und Truck Stop. Heute geht es uns um ein Lied der Rentnerband, mit dem Sänger Peter Petrel. Die putzmuntere Truppe, eine Melange aus diversen Solo-Künstlern dieser Szene, landete Ende des Jahres 1974 mit ihrer "Hamburger Deern" als Newcomer in den deutschen Charts mit Platz 20 und 16 Wochen Verbleib einen ersten Achtungserfolg. Damit stieg die Gruppe in Hamburg zu einer Art Kult-Combo auf. Übrigens übernahm die Sängerin Ingrid Unverdorben den Sprechpart des Songs. Wohl aufgrund dieses Erfolges erschien dann 1975 die Langrille "Revue" mit dem Lied "Alles klar, alles bleibt wie es war" - ganz im Stil der "Hamburger Deern", samt Sprechpart. Irgendwie war der Gedanke nicht von der Hand zu weisen, dieser neue Titel fungiere wie "Hamburger Deern Teil 2". Leider folgten die Fans der Rentnerband diesem Vinyl nicht mehr wie vorher. Konnte wohl sein, dass clevere Plattenbosse auch diese Erfolgsgruppe auspressten wie eine Zitrone. So sprangen 1975 die Gründungsmitglieder Gottfried Böttger ("Raggi Ragtime") und Lonzo Westphal ab, ein Jahr später folgte Peter Petrel mit seiner angenehmen Reibeisenstimme. Und 1977 kehrte das musikalische Schwergewicht Wilken F. Dincklage ("Willem") der Band den Rücken. Dabei starteten der Pianist Gottfried und Lonzo ("Der Teufelsgeiger von Eppendorf") je ihre Solo-Karrieren, während der "dicke Willem" mit seiner Ulk-Platte "Tarzan ist wieder da" die Hitparaden stürmte. Das größte Stück vom Kuchen ergatterte sicherlich der Sänger Peter Petrel, welcher etliche Platten in die Charts brachte. Gleiches galt auch für den Sänger und Musik-Produzenten Werner Böhm, der einst Petrel am Mikrofon ablöste. So, jetzt seid Ihr dran zu entscheiden, ob die bunte Truppe aus Hamburg bei uns eine Chance bekommt.
Von Hamburg führt die Reise nun in die USA, wo uns die berühmte Band Santana des mexikanisch-amerikanischen Gitarristen Carlos Santana erwartet. Anno 1966 in San Francisco gegründet, zeichnet sich die Combo durch unzählige Wechsel in der Besetzung aus; Generationen von Musikern gaben sich hier die Klinke in die Hand. Als einer ihrer frühen großen Auftritte galt die Teilnahme beim legendären Woodstock-Festival anno 1969, wo sie den Song "Soul Sacrifice" zum Besten gaben. Aus ihren ersten zwei Alben - "Santana" (1969) und "Abraxas" (1970) - kamen folgende Songs zu Hitparaden-Ehren: "Evil Ways", "Oye como va" und "Black Magic Woman". Letzterer Track stammte aus der Feder von Peter Green, einer der Gründer der Rockband Fleetwood Mac. Ab 1973 gab Carlos Santana eher dem Spiritual Jazz den Vorzug. Doch zeigten Statistiken, die Popularität der Truppe nahm seit Mitte der Siebziger stark ab, was sich jedoch erst viele Jahre später wieder ändern sollte. Wir setzen auf die alten Zeiten und halten für Euch ein berühmtes Instrumental bereit, welches wir bis dato noch nie im Angebot hatten: "Samba Pa Ti" aus der Langrille "Abraxas" (1970) - erst ab 1973 als Single auf dem Markt erhältlich. Laut Quellen schrieb Carlos Santana die Melodie, als er einen Jazz-Saxophonisten auf der Straße spielen sah. Dazu äußerte sich Santana im Jahr 2008 in der britischen Musik-Zeitschrift Mojo: "Samba Pa Ti entstand an einem Sonntagnachmittag in New York City, … Ich öffnete das Fenster und sah diesen Mann auf der Straße, er war betrunken und hatte ein Saxophon und eine Schnapsflasche in seiner Gesäßtasche. Ich schaute ihn immer wieder an, weil er mit sich selbst rang. Er konnte sich nicht entscheiden, was er zuerst in den Mund nehmen sollte, das Saxophon oder die Flasche, und ich hörte sofort einen Song … Ich habe das ganze Ding genau dort geschrieben." Nach längerer Absenz in den Charts schaffte das schöne Stück im Jahr 1974 auf der britischen Insel Platz Rang 27 und hierzulande sprang immerhin noch Platz 43 heraus. Und bei uns? Wir werden sehen und das Beste hoffen.
Mit der Nummer 15 kommt nun eine seit 1962 aktive Superband, deren typischen Stil Kritiker gern als Blues-orientierte Rockmusik beschreiben: The Rolling Stones. Die Mannen um den charismatischen Frontmann Mick Jagger waren hier schon öfters unsere Gäste: unvergessen ihre platzierten Songs: "It's all over now", "Jumpin' Jack Flash", "It's only Rock 'N' Roll", "The last Time", "Satisfaction" und "Out of Time" - um nur einige zu nennen. Erstaunlich: Trotz des Todes von Drummer Charlie Watts legten die etablierten britischen Musiker im Juli 2026 mit "Foreign Tongues" ein nagelneues Studioalbum vor, welches von der Musikwelt positiv aufgenommen wurde und sich in den hiesigen Album-Charts auf Anhieb an die Spitze des Feldes setzte. Vor allem gab es Szenenapplaus, da die Gruppe wieder zum Blues-Rock zurückfand. Doch reisen wir für den nächsten Song einige Jahrzehnte in die Vergangenheit: Ihr Problem-Lied "Brown Sugar" erschien im April 1971 und schoss in den Staaten und der Schweiz auf den Spitzenplatz, während die Kurzrille in ihrer Heimat auf Rang Zwo stecken blieb. Was den Titel so schwierig machte, war der zweideutige Text. Dazu äußerte sich Mick Jagger Jahre später: "Es ist ein Mischmasch. Alle fiesen Themen auf einmal. Ich würde dieses Lied jetzt nie schreiben. Ich würde mich wahrscheinlich selbst zensieren." Im Detail: Unklar, wofür die Formulierung "Brown Sugar" eigentlich steht. Einige glaubten, es ginge um Heroin; andere meinten, der Autor spreche hier von schwarzen Frauen. Wäre Letzteres der Fall, bekäme der Song eine diskriminierende Note. Noch rätselhafter kam es textlich in der ersten Strophe des Werkes: Laut einem Artikel bei swr.de kommt ein Sklavenschiff von der Goldküste, um für "Nachschub" für die Baumwollfelder zu sorgen. Dann wörtlich weiter: "Für den narbigen alten Sklaventreiber läuft es wie am Schnürchen und gegen Mitternacht ist zu hören, wie er die Frauen auf dem Schiff auspeitscht." Na ja, Jagger hat schon recht, so etwas würde er heute nicht mehr abliefern. Jahrelang gehörte der eigenartige Track zum festen Live-Repertoire der Rock-Truppe, jedoch wollten ihn die Stones nach eigener Aussage nicht mehr live bringen. Was meint Ihr?
Last, but not least noch unser zweiter (etwas schräger) deutscher Beitrag für heute. Dieser geht aufs Konto eines gewissen Lerryn. Damals, im Jahr 1974, wusste niemand, wer sich dahinter verbarg. Heutzutage schon: nämlich Dr. Diether Dehm, Sozialpädagoge, Politiker, Liedermacher und Songwriter, der in frühen Jahren unter dem Pseudonym "Lerryn" auftrat. Offenbar war dies eine Art Wortspiel (ein "Kofferwort") aus Dehm's anderen Spitznamen "Larry" und "Lenin". Mitte der Siebziger galt der Sänger als der Prototyp eines linken Liedermachers. Nachdem er schon in den Sechzigern Protestlieder vortrug, kann der politische Sänger auf eine mannigfache Karriere zurückblicken. So schrieb er am Song "1000 und 1 Nacht (Zoom!)" für Klaus Lage mit und übertrug einige Lieder der holländischen Folk-Band "Bots" ins Deutsche. Und bei "Das weiche Wasser (bricht den Stein)", dem bekanntesten Lied der Gruppe, schrieb Diether Dehm beim Text mit, neben Dieter Hildebrandt, Hans Dieter Hüsch und Günter Wallraff. Unter dem Dach der EMI Electrola hob Dehm schließlich 1983 sein eigenes Label "Musikant" aus der Taufe. Insgesamt, so weiß es das Netz, leistete der engagierte Musikproduzent für rund 600 Songs einen textlichen Beitrag, darunter Werke solch profilierter Künstler wie Joe Cocker, Christopher Cross, Udo Lindenberg, Heinz Rudolf Kunze, Wolfgang Dauner und Gisela May. Und im April 2024 trug Dieter Hallervorden ein Gedicht "Gaza, Gaza" in einem dreiminütigem Video vor, welches Dehm mitverfasste. Darin bezeichneten beide Israels Krieg als Völkermord. Parteipolitisch war der Musiker bereits Mitglied der SPD, der PDS und schließlich der Partei "Die Linke". Dazu gibt es leider noch einen unschönen Aspekt, so war Dehm der Manager des Wolf Biermann, der im Jahr 1976 aus der DDR ausgebürgert wurde. Zu dieser Zeit soll der westdeutsche Musiker seinen Ost-Kollegen als Stasi-Spitzel ausgehorcht und davon Berichte an die DDR geschickt haben. Davon hatte sich Dehm stets distanziert und versucht, die Situation zu erklären. Um dies ausführlich darzulegen, reicht unser Platz wohl nicht. Feststehen dürfte aber eines: Wäre an den Stasi-Vorwürfen irgend etwas dran, wäre Diether Dehm vermutlich längst verurteilt. Bleiben wir also lieber bei der Musik: Wir legen den intellektuell interessanten Titel "Der Sänger mit den besseren Liedern (Bravo, Bravo, Hurra)" von 1974 auf den Plattenteller. Wir werden sehen, wie er Euch gefällt. Viel Spaß! Euer Joachim